Das kleine Krippenspiel

Da nun der Weihnachtsabend vor der Tür steht, soll es an dieser Stelle noch eine kleine Weihnachtsgeschichte geben. Diese wurde von „Tarzan“ (Pseudonym eines Schreiberlings der Dresdner Morgenpost) verfasst und ist so witzig, dass ich finde, es wäre schade würden nur die Menschen im Verbreitungsgebiet der Morgenpost die Chance haben, die Geschichte zu lesen. Es sei noch darauf hingewiesen, das Tarzan ein kleiner Hund ist, der die Welt aus seiner Sicht erzählt. Also Rechtschreibefehler sind „größtenteils“ gewollt.

(Quelle: Dresdner Morgenpost vom 21.12.2007 S. 14) 

Gesucht: Ein Krippenplatz für unseren kleinen Jesus

Ich bin immer noch krank, darf keine großen Runden laufen. Also liege ich auf der Fensterbank, beobachte die verrückte Welt der Zweibeiner von oben: Welch ein Geschiebe, Gedränge, Hasten-Was für eine Hektik! Die Zweibeiner sind gereizt. Das kleine Scheißerchen wird von seiner Mutter angeschnauzt, weil es nicht schnell genug mitkommt. Alle schleppen Pakete, gefällte Randfichten (Hinweis: Dresden liegt ja bekanntlich nicht weit vom Erzgebirge entfernt, wo die Schlagerband „Die Randfichten“ ihr Unwesen treiben.) Beitel voller Fressen- so, als ob eine große Hungersnot vor der Tür stehen würde. Dabei steht Weihnachten vor der Tür!

Weihnachten ist doch eigentlich was Schönes. Es geht um die Geburt eines Kindes. UNd dann kamen die Engel, verkündeten Frieden auf Erden. Frieden gibt es rund 2000 Jahre später auf Erden immer noch nicht. Im Gegenteil. Und ich stelle mir vor, wie es Maria und Josef mit ihrem Kind heute ergehen würde – die Weihnachtsgeschichte 2007…

…Josef ist gerlernter Zimmermann. Seit dem in den neuen Bundesländern mehr Häuser abgerissen als aufgebaut werden, ist er arbeitslos. Auf Jobsuche war er sogar in Rheinland-Pfalz. Doch König Beck schickte ihn weg. Grund: Josef war unrasiert! Auch Maria hatte keine Chance, im christlichen Bayern einen Job im öffentlichen Dienst zu bekommen – sie trug ein Kopftuch! Deshalb kehrten beide nach Sachsen zurück, lebten in Dresden in einem Plattenbau – ein Jahr lang von Josefs Arbeitslosengeld I. Dann kamen die biblischen Plagen: Maria wurde schwanger. Herr Rathaus verkaufte ihre Wohnung an eine amerikanische Heuschrecke, die sofort die Mieten erhöhte (Hinweis: 2007 wurde die Stadt Dresden durch den Verkauf der städtischen Wöhnungsgenossenschaft WOBA an die private Fortress auf einen schlag schuldenfrei.) Und bei der ARGE lag Josefs Hartz-IV-Antrag seit Monaten im Argen. So konnten die beiden die Miete nicht mehr zahlen – Maria und Josef obdachlos! Das Paar fand Unterschlupf in einem alten Schafstall am Rande der Stadt. Und da Josef auch die Schmidtschen Praxis- und Krankenhausgebühren nicht zahlen konnte, legte Maria ihrem Mann ein Weihnachtsgeschenk in die Futterkrippe der Schafe – Söhnchen Jesus. So Entstand der erste Krippenplatz. Als Klein-Jesus dann seine zweiten Pampers brauchte, konnten sich die eltern keinen Krippenplatz mehr leisten. Die Familienministerin hatte zwar anderes versprochen. Doch von der Leihen konnten sie sich auch nichts. So blieb statt Krippenplatz am Ende nur der kostenfrei Eintritt für Säuglinge beim Krippenspiel. Aber es war ja Weihnachten, und Weihnachten geschehen Wunder. Also kamen drei Heilige Könige und brachten Jesus und seiner Familie Geschenke – von außerhalb der am 22.12. erweiterten Geschenkezone (Hinweis: Erweiterung des Schengener-Abkommens) oder wie das heißt: Myrrhe, Weihrauch und Gold! Das rief die drei Scheinheiligen Könige auf den Plan! Das Viehnanzamt wollte Scheine für das geschenkte Gold. Der Zoll wollte Scheine für das rauschgiftähnliche Myrrhe. Und das Ordnungsamt wollte Scheine wegen des verbotenen Weihrauchens. Danach rollte Schäubles Verfassungsschutz an: Die Heiligen Könige waren nämlich terrorverdächtige Ausländer und eine Überprüfung von Marias Telefonanschlüssen aus den letzten fünfzehn Jahren hatte immer wieder Anrufe nach Palästina ergeben. Also stürmte eine SEK den Schafstall, kehrte alles von unten nach oben. Danach kam das Jugendamt, stellte fest: Klein-Jesus dürfte in einer solchen Unordnung nicht leben – ab ins Heim. Das blieb dem Präkariatskind durch Fürsprache von ganz Oben zwar erspart, aber es durfte nicht studieren. Und was wird man in Deutschland ohne Studium? Höchstens Außenminister bei den Grünen. Doch dazu fehlten den Eltern von Jesus die parteipolitischen Beziehungen nach dem Motto: D a Postl und d a Postl! Also rannte Jesus auf der Suche nach einer Lehrstelle von Pontius zu Pilatus. Wie das zwischen Jesus und Pontius Pilatus ausging, wissen wir ja seit fast 2000 Jahren! Gecshichte wiederholt sich eben, sogar die Weihnachtsgeschichte…

…und wenn morgen im allegrößten Weihnachtseinkauftrubel eine Langhaarige (Hinweis: Frauen werden von Tarzan prinzipiell als „Langhaarige“ bezeichnet.) einen Wagen mit ihren greinenden Kind in die übervolle Straßenbahn schieben sollte, dann meckern Sie doch einfach mal nicht wie gewohnt, sondern schenken Sie der Frau und dem Kind Ihr schönstes Lächeln! Denn es könnte doch sein, dass im Kinderwagen eine kleine Maria, ein Josef oder gar ein Jesus liegt. Ein Christkindl ist es auf jeden Fall! In diesem Sinne, ein nachdenkliches Weihnachtsfest – Ihr Tarzan.

Und dem möchte ich mich anschließen: Ein schönes besinnliches Fest – GutscHilla.

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