Gutschilla goes Britain: Das Porters in London

PORTERS
– English Restaurant –
17 Henrietta Street
Covent Garden
London
WC2E 8QH
Tel: 020 7836 6466
Fax: 020 7379 4296
e-mail: neil@porters.uk.com
www.porters.uk.com

Lonely Planet -London (Ausgabe 2008)

In Zeiten der Billigflieger ist es für viele ja schon zur Gewohnheit geworden einfach mal in den Flieger zu steigen und ab in die europäischen Metropolen zu jetten und diesen einen Kurzbesuch abzustatten. Und da Ryanair ein sensationell gutes Angebot hatte (Hinflug: Berlin-London 19,99€ Rückflug: London-Berlin 0,01€ zzgl. Tax und Gebühren), musste die Billigfliegerei doch mal ausprobiert werden. Mit im Gepäck mein treuer Reiseführer „London“ von Lonley Planet (die Ausgabe „Frankreich“ hat mir bereits eine angenehme und alternative Reise durch unser westliches Nachbarland beschert). Nach aller Umherlauferei und Sight seeking seeing  plagt einem natürlich der Hunger. Und um nicht in einem der mittelmäßigen Toursitenabzockeläden zu versacken, wurde der „Einsame Planet“ einfach mal befragt. Die englische Küche (also landestypisch) sollte es sein.

Als…nun ja…Geheimtip wurde das „Porters“ unweit des Covent Gardens empfohlen. Ab in den Underground und hin ins Porters und bereits im Eingangsbereich deutet sich an, dass der „Geheimtipp“ vielleicht doch nicht ganz so geheim war. Aber sei`s drum, einfach mal sein bestes british english ausgepackt und die Dame (Platzanweiserin) am Empfang befragt. So zwischen 15 und 45 Minuten kann es schon dauern, ehe man einen Tisch für 4 Personen ergattern kann. Mmmm…grenzwertig. Aber die nette Dame bot uns an, unseren Namen zu notieren und uns im Auge zu behalten. Gerne könnten wir auch noch mal ins Getümmmel (Covent Garden ist ein Gebiet, in dem sich junge Briten und Touris treffen und feiern) und etwas später wieder kommen.

Covent Garden - Die Partyzone Londons

Covent Garden - Die Partyzone Londons

Gesagt, getan…ca. 45 Minuten später zweiter Versuch im Porters. Und leider wieder kein Glück: immer noch 30 Minuten Wartezeit. Um sich diese Zeit zu verkürzen kann man sich einfach an die im Eingang befindliche Bar hocken und eines der seltenen Ales oder Biere ausprobieren. Preislich liegen die Alkoholikas in etwa im  deutschen Durchschnitt. Für ein Pint Guinness werden 3£, also ca. 3,35€. Importbiere wie Becks sind natürlich etwas preisintensiver (300 ml ebenfalls 3£), aber vielleicht auch nicht so interessant auf Grund der Fülle von heimischen  Ales. Die netten Barkeeper lassen sich an dieser Stelle mal besonders erwähnen. Anders als schon häufig erlebt, sind diese zu Touristen sehr höflich, hilfsbereit und ab und zu für einen kleinen Spass zu haben. Bei der Warterei an der Bar fiel uns dann auf, dass der neue amerikanische Präsident „Barack Obama“ auch als Platzanweiser im Porters arbeitet (zumindest sah dieser dem Präsidenten verdammt ähnlich und auch Gestik und Mimik waren zum verwechseln ähnlich). Leider wurde versäumt mal ein Bild zu schießen…so rufe ich alle auf, mir ein Bild zukommen zu lassen, sofern ein Porters-Besuch abgehalten wird und Barack gerade Schicht hat. Nach knapp einer Stunde war es dann soweit…ein Tisch wurde frei. Wir wurden dort hin geleitet und hörten auf dem Weg mehrfache „apologize“ für die lange Wartezeit. Dabei war diese durch das Triple-B (Barkeeper, Barack und Bier) eigentlich sehr kurzweilig. Normalerweise hätten wir unsere Getränke beim Verlassen der Bar zahlen müssen. Nun war es so, dass in der Bar-Kasse kein Wechselgeld vorhanden war, so dass wir uns mit dem Barkeeper einigten (was ohne Probleme geschah), dass wir unsere offene Barrechung beim Verlassen des Lokals begleichen werden. Wie ich finde eine sehr mutiger Deal, da es ein einfaches gewesen wäre nach dem Essen das Porters einfach zu verlassen und die Zeche an der Bar zu prellen (aber dazu später mehr). Nicht nur auf Grund dieses lässigen und vertrauensvollen Umgangs mit dem Gast (noch mal wir waren deutsche Touris…in einem englischen Restaurant…in London) erhält der Service von mir 9 Punkte. Auch die Servicekräfte jenseits der Bar waren trotz der Fülle im Laden immer noch sehr zuvorkommend und agierten sehr angemessen. (Die 9 Punkte wurden später auch von der Tischbedienung bekräftigt.)

Das Porters: Englische Küche für Jedermann?!?

Unser Tisch befand sich im Unter- geschoss des Hauses. Die Einrichtung passte sehr gut zum Charme des etwas zu groß geratenen britischen Pubs. Viel Holz, ein flauschiger Teppichboden und an der Decke hängende Stühle. Nicht benötigte Sitzmöbel werden einfach eine Etage höher gehängt…sehr witziger Anblick, wenn man sich auch fragt, was wohl ein deutscher Beamter zu diesem Gefahrenherd sagen würde.  Aber andere Länder, andere Sitten. Letztendlich war alles recht sauber (mal abgesehen von einem heruntergefallenen Messer, welches sich neben dem Tisch befand und nicht bemerkt und somit nicht beseitigt wurde) und stimmig. Für den Mix aus Restaurant- und Pub-atmosphäre werden 7 Punkte vergeben.  Und dann ging es zum eigentlichen Testballon: der britischen Küche. Bisher waren mir nur Horrorstories über die kulinarischen Entgleisungen der Nicht-Kontinental-Europäer zu Ohren gekommen. Und mit dem Satz von Obelix (aus dem Film: Asterix und die Briten) im Hinterkopf „Iiiii, Wildschweinbraten mit Minzsoße. Die spinnen die Briten.“ war der Blick auf die Speisekarte schon eine Art Mutprobe. Doch siehe da: Alles was da so im Angebot war, klag recht lecker. Auch wenn man sich unter „pudding“- oder „pie“-Formen der Hauptspeisen sich so nichts recht vorstellen kann. Aber die Bestandteile des Puddings und des Kuchens klangen sehr annehmbar. Und so ging es los: Shepherd’s Pie und Steak and Kidney Pudding (für Bilder einfach Links nutzen) sollten es sein. Der flinke, nette und kompetente Kellner flog auch gleich los und nach einer dem Füllstatus des Restaurants geschuldeten, annehmbaren Wartezeit wurde die Überraschungsbombe an den Tisch gebracht. Trotz der skurrilen Form des Essens, war dieses wider allen Erwartungen äußerst lecker. Die Würze war super, die Beilage (Chips) passte hervorragend und  auch die Menge voll und ganz ausreichend. Zum Nachtisch wurde auch gleich noch ein Stück Chocolate Fudge Cake (Schoko-Kuchen) geordert. Dieser war vergleichbar mit der Trüffeltorte aus einem Starbucks…also sehr süß. Alles in allem rundete der Kuchen das delikate Mahl ab. Für die Speisen kann man getrost 8 Punkte vergeben, allein weil ich eine solche Qualität nicht erwartet hatte…Prädikat empfehlenswert. Auch preislich liegen die Gerichte mit ca. 12£ bzw. 3,95£ für den Kuchen in einem annehmbaren Rahmen. Man sollte immer bedenken, dass Lebensmittel nirgends so günstig sind wie in Deutschland. Auch der momentane £-Kurs macht das Essen recht erschwinglich. Essens- und Getränkepreise verdienen ebenfalls 7,5 Punkte.

So nach dem zahlen der Rechnung machten wir uns auf den Weg in Richtung Ausgang. Wie bereits oben erwähnt, hatten wir ja noch eine offene Rechnung an der Bar zu begleichen. Und da wir ehrliche Leute sind und der Auffassung, dass man auch das bezahlen muss, was man konsumiert hat, ging es schnurstracks zum charmanten Barmann. Dort angekommen, gab es für uns eine Überraschung. Der gute Mann teilte uns mit, dass die Getränke mit auf der Rechnung standen, die wir am Tisch erhalten hatten. Wir machten ihm klar, dass dies nicht stimmen kann, da wir am Tisch nur die dort verzehrten Sachen bezahlt haben. Etwas verunsichert hielt er Rücksprache mit dem Tischkellner…immer sehr charmant und mit einem Schmunzeln im Gesicht. Wieder das selbe Ergebnis…die Rechnung sollte bereits beglichen sein. Es wäre nun ein leichtes gewesen zu sagen: „Ok, good bye.“ Ich sagte ja bereits, dass wir ehrliche Menschen sind und wir wollten auf keinen Fall der Bar einen Fehlbetrag in der Endabrechnung zurücklassen. Wir beharrten darauf, unsere Getränke zu bezahlen. Also noch einmal sein bestes Englisch ausgepackt und ihn mit „I don’t know who paid, but I didn’t.“  doch noch überzeugt. Sollte jemand tatsächlich unsere Rechnung versehentlich beglichen haben…dann „thank you“. Hat die Bar eben ein deftiges (aber verdientes) Trinkgeld von uns bekommen.

Als Fazit bleibt: Wer London einen Besuch abstattet und es auch auf die englische Küche abgesehen haben sollte, dem sei das Porters wärmstens empfohlen. Keine Spur von Touristenabzocke, leckeres Essen zu annehmbaren Preisen, ein charmantes Ambiente und passender Service konnten uns überzeugen.  Mit einer Gesamtnote von 8,1 ist das Porters auf Anhieb in die Top 3 meiner besuchten Restaurants gerutscht. Relativierend ist zu sagen, dass dies auch den Umständen geschuldet ist, dass sich das Porters entgegen vorheriger Skepsis gegenüber der englischen Küche so positiv präsentierte.

An dieser Stelle sei auf ein spezielles Angebot hingewiesen: Auf der Internetseite des Porters kann man ein Ticket für eine Fahrt mit dem „London Eye“ in Kombination mit einer Tischreservierung für das Porters buchen. Wie ich finde für jeden London-Touristen eine interessante Offerte. In diesem Sinne…bravo Porters…thank you very much.

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One Response to Gutschilla goes Britain: Das Porters in London

  1. udsalg sagt:

    Ach ja…..schön war’s *schwärm“. Wann gibt’s den ersten eigen hergestellten shepards pie?

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