Ewig jung – ein Songdrama von Erik Gedeon

Neben „Erdbeerfelder für immer“ inszeniert das Staatsschauspiel Dresden mit „Ewig jung“ ein weiteres Stück unter Leitung von Erik Gedeon. Und da die Erdbeerfelder so ein prägendes Erlebnis waren, hieß es natürlich, nichts wie hin.

Die Handlung erklärt sich kurz. Es ist wohl das Jahr 2040. Routiniert treffen sich fünf betagte Schauspieler des Dresdner Ensembles in einem Aufenthaltsraum, einem Musizierzimmer. Betreut werden sie von einer jungen Krankenschwester. Während deren Abwesenheit erfreuen sich die Greisen ihrer nicht versiegen wollenden Lebenslust (von Striptease bis hin zu anzüglicher Poesie, von Verschrobenheiten über Kleinkriege zur allseitigen Harmonie). Dies kommt in Liedern „Stayin‘ Alive“, „You can leave your hat on“ oder „Barbie girl“ zum Vorschein. Im Kontrast dazu scheint Schwester Evamaria ihren Schützlingen mit Liedern vom Tod ein baldiges Ableben nahe legen zu wollen. Dieser Konflikt spitzt sich zu, bis es zu Evamarias Ermordung und Wiederauferstehung kommt.

Wenn man zuvor bereits „Erdbeerfelder für immer“ gesehen und gehört hat, zieht man leider öfter Vergleiche. Und dabei kommt „Ewig jung“ schlechter weg. Zum einen ist die Songauswahl in diesem Seniorenstück nicht ganz so „peppig“. Die Handlung wird auch weniger durch die Lieder und Liedtexte weitergetrieben, wodurch es gelegentlich einer willkürlichen Aneinanderreihung von Musikstücken ähnelt. Zum anderen kommt das gesamte Stück etwas statisch daher. Die Figuren machen kaum eine Entwicklung durch. (Dass die eitle Frau Fischer nach der ungewollten Entzauberung ihrer Haarpracht letztlich zu ihrem grauen Haar steht, ist eine weniger gravierende Persönlichkeitswandlung.) Das greise Alter und die dadurch bedingte Schwerfälligkeit der Figuren verlangsamen einige Szenen und lassen sie langatmig werden. Diese Bewegungseinschränkung, die einem nach einiger Zeit bei manchen Begebenheiten Geduld abverlangt, lässt kaum Bewegung im Sinne von Tanz zu. Außer einer recht netten Disco-Choreographie entstehen Tanzeinlagen in entsprechender Langsamkeit.

Spaß macht es dennoch, den gealterten Schauspielern im Jahre 2040 zuzusehen und zuzuhören. Das Stück bietet musikalisch abwechslungsreiche Interpretationen, begleitet von Herrn Mahn am Klavier mit gelegentlichen Soli von Frau Fischer am Saxophon (oder Känguru?). Die drei Zugaben, die zusätzliche Songs präsentieren, sind vom Publikum mit regem Applaus gefordert.

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