Erlebnis Zarenkeller

Weihnachtszeit, Schlemmerzeit. Die Gemütlichkeit steigt, das Bedürfnis mit allen Freunden, Anverwandten, Bekannten und Kollegen vor Jahresende noch einmal gesellig beisammenzusitzen bestimmt den Terminkalender. Hochkonjunktur für die Erlebnisgastronomie.

Eines der zahlreichen Erlebnisrestaurants in Dresdens Einzugsgebiet ist der Zarenkeller. Angesiedelt in Niederwartha ist das Lokal nicht gerade zentral gelegen. Parkplätze sind vorhanden, die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel auch (sogar noch Tarifzone Dresden), allerdings nicht ausreichend für einen langen Abend.

Mag der Name Zarenkeller auch russisch anmuten, ist das Konzept der Lokation rein mittelalterlich angelehnt. Man wird in die Erlebniswelt des Mittelalters entführt (sollte sich aber auch darauf einlassen wollen). Eingelassen wird man als Gruppe, denn der erste Gang des Gastmals (Met aus dem Bullenhorn) wird direkt auf dem Weg zum Tisch erledigt, nachdem man die Hände gewaschen und getrocknet bekommen hat. Da das einzige zur Verfügung stehende Besteck des Abends ein Holzdolch ist und man recht oft seine Hände zum Essen benutzt, ist die Waschung sehr angebracht, auch wenn man in Zeiten der Schweinegrippe ein leicht mulmiges Gefühl dabei hat, über die Reinlichkeit nicht selbst bestimmen zu können. Nachdem man im Stehen seinen Met geschlürft hat, wird man zu seinem Tisch geführt. Die Gasträume sind in einem Kellergewölbe eingerichtet. Mittelalterlich anmutende Holztische und -bänke stehen dicht gedrängt, letztere für verwöhnte Neuzeitgesäße sogar gepolstert. Dass die die Möglichkeiten, seine winterliche Garderobe abzulegen, begrenzt sind, fällt mindestens denjenigen auf, die vor (oder besser unter) einer Jackenansammlung sitzen müssen. Die Beleuchtung ist mittelalterlich passend gestaltet. Kerzen und einige unauffällige, rote Scheinwerfer sorgen für heimelige Stimmung.

Der Ablauf des Abends ist einfach. Zwischen den einzelnen Gängen des Gastmahles wird man mittelalterlich unterhalten. Zum einen mit Musik, meist mit Dudelsack. Zum anderen mit einem leichten Mitmachprogramm. Wie zünftig gejubelt wird muss da geübt werden und dem Tischnachbarn muss die (recht speckig riechende) Serviette um den Hals gebunden werden. Die bedeutendste Rolle wird allerdings dem Auserwählten zuteil, der das Vorkosten der Speisen zu übernehmen hat. Dieser sollte ein bisschen mitspielen und eine Kostprobe des anstehenden Ganges testen. Wenn er/sie nach 10 Sekunden noch steht, wird serviert. Wenn der/die Auserwählte allerdings eine begriffsstutzige Teenagerin ist, die das mit dem möglichen Gift im Essen allzu wörtlich nimmt, kann man schonmal ein Weilchen auf sein Essen warten, darf derweil aber dem erstaunlichen Schauspiel beiwohnen, wie jemand durch Begriffstutzigkeit und Schnipperei den Unmut der hungrigen Meute auf sich zieht. Die Show und das Ambiente ist passend zu dem, was man sich auf die Fahnen schreibt. Es gibt dafür stimmige 8 Punkte.

Das von den Testern gebuchte Gastmahl „Entenkeule“ begann wie schon erwähnt mit dem „Met aus dem Bullenhorn“. Zum Genießen war da im Gang wenig Zeit. Das eigentliche Essen beginnt mit „Schätzen aus der Kornkammer mit Schmalz“. Ziel dieses Ganges ist, sich aus einem kleinen Brotlaib einen Suppenteller herauszuessen. Denn es folgt „der Bettelmönche Lieblingsmahl“, was in diesem Falle eine Karottencremesuppe umschreibt. In Kombination mit dem Brot bekommt sie eine erstaunlicherweise mit dem Holzdolch löffelbare Konsistenz. Brot und Suppe geben eine schmackhafte Kombination.
Als nächstes warten „Wachteln mit Pilzen“. Erstere werden jedem einzeln vom langen Spieß auf den Teller geschoben. Der persönliche Geschmackseindruck war eher nicht überwältigend. Die süßliche Marinade außen hatte kaum würzenden Einfluss auf das innere des Fleisches. Die Pilze dagegen waren recht würzig. Der Hauptgang bestand aus einer „Entenkeule mit Knödeln und Rotkohl“. Dazu wurde Sauce gereicht. Es gehörte schon etwas Geschicklichkeit dazu, sich eine Esstechnik anzueignen, bei der man nicht vor dem Sättigungsgefühl keinen Bock mehr auf das Gemansche hatte. Mit etwas Fingerfertigkeit hatte man nur die Ente zu betatschen.
Der Abend war nun schon weit fortgeschritten. Da man irgendwie immer auf Essen warten musste, schien man immer noch Hunger zu haben. Aber der Höhepunkt war nun auch im Programm erreicht. Angekündigt durch einen betäubenden Petrolium-Terpentin-Erdölproduktgestank bildete eine Feuerschlucker/-spucker Darbietung den Abschluss der Showunterhaltung. Hitze und mangelnder Sauerstoff machten die Aktion allerdings eher zu bedrohlich, als dass man sie hätte genießen können. Nachglimmender Putz an der Gewölbedecke trug dann auch nicht zur Behaglichkeit bei. Als herbeigesehnter Abschluss des Gastmahls wurde „Mächthilds Jungfernspeis“ serviert: ein halber Eisstern im Waffelschälchen. Man erinnert sich, in einem ähnlichen Erlebnisrestaurant in Dresden vor Jahren bereits die gleiche Nachspeise serviert bekommen zu haben. Fazit des Essens. Sehr mäßig (5 Punkte). Wenig Gaumenkitzel, Genuss wird eigentlich schon durch das Essen mit dem Holzdolch im Keim erstickt und so üppig erscheint einem das Gastmahl im nachhinein nicht.

Der Preis für dieses Menü scheint mit 29,90€ in Anbetracht der Speisenqualität nicht gerechtfertigt, wobei man dabei ja auch die Bespaßung durch Musiker und Schausteller mitbezahlt. Die Getränkepreise sind auch eher gehoben, denn ein Weizen schlägt schon mit 3,50€ zu Buche. 4 Punkte für das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Service ist freundlich. Niemand bleibt auf dem Trockenen sitzen, vorausgesetzt man zeigt den leeren Füllstand der Tonkrüge durch auf-den-Kopf-stellen an. Einige Gäste werden zwischendurch gebeten, beim Servieren einiger der Gänge zu helfen. Der Service wird mit erwartungsgemäßen 7 Punkten bewertet.

Der Zarenkeller lebt sicherlich gut von großen Familien- und Betriebsfeiern, der Gesamteindruck ist allerdings nicht überwältigend. Diese Form Erlebnisrestaurant ist für Runden geeignet, bei denen es an Gesprächsstoff mangelt und man froh ist, mit Musik und Unterhaltung die Gesprächsthemen gleich mit geliefert zu bekommen. Wenn man sich allerdings wirklich grade unterhält, ist die laute Musik eher störend. Die Gesamtnote (nach Gutschilla-Wichtungsformel):  5,9 Punkte.

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